Ein Eltern-Ratgeber für einen bewussteren Umgang mit sozialen Medien
Was sind soziale Medien und warum sind sie im jungen Alter besonders zu beachten?
Soziale Medien sind heutzutage stark verbreitet und aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Auch für junge Menschen spielen soziale Medien aus mehreren Gründen eine wichtige Rolle. Von Smartphones über Tablets bis hin zu Social Media-Plattformen – die digitale Welt bietet eine Fülle von Möglichkeiten und Herausforderungen für unsere heranwachsende Generation. Sie ermöglicht es Jugendlichen, mit anderen in Kontakt zu bleiben, ihre Persönlichkeit auszudrücken und sich mit Gleichaltrigen zu vernetzen. Durch den Austausch von Inhalten können sie ihre Identität entwickeln und Selbstbewusstsein aufbauen.
Zugleich dienen soziale Medien als Informationsquelle für aktuelle Ereignisse, Trends und Bildungsinhalte und fördern so das soziale Lernen und die Empathie. Es ist jedoch wichtig, die potenziellen Risiken wie Cybermobbing und Datenschutzprobleme im Auge zu behalten und junge Menschen beim verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien zu unterstützen.
Diese Broschüre wurde entwickelt, um Ihnen als Eltern dabei zu helfen, die Komplexität der modernen Mediennutzung besser zu verstehen und Strategien zu entwickeln, die Ihre Kinder dabei unterstützen, das Beste aus der digitalen Welt herauszuholen, ohne dabei die Gefahren zu vernachlässigen.
Wieviel Medienkonsum ist in Ordnung? Was trägt zur Förderung von Medienkompetenz bei? Welche Chancen birgt die Mediennutzung und welche Gefahren? Und wie können negative Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen vermieden werden? Von den Vorteilen einer ausgewogenen Mediennutzung bis hin zu praktischen Tipps für den Umgang mit bestimmten
Herausforderungen – wir möchten Ihnen eine informative und hilfreiche Ressource zur Verfügung stellen, um Sie in Ihrem Elternsein zu unterstützen.
Der gemeinsame Umgang mit Medien
Um im familiären Umfeld erste Erfahrungen mit Medien zu ermöglichen und Kindern dabei zu helfen, die Chancen und Risiken verschiedener Medienangebote einzuschätzen, stehen Eltern zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören kindgerechte Internetseiten, Fernsehangebote und technische Vorkehrungen, die den Zugang zu medialen Inhalten regulieren. Jedoch ist es ebenso wichtig, kontinuierlich mit den Kindern über ihre Mediennutzung zu sprechen, gemeinsam Erfahrungen zu reflektieren und sie dabei zu unterstützen, die Vielfalt des World Wide Web zu verstehen, ohne sie dabei allein zu lassen.
Dabei kann es hilfreich sein, selbst etwas über die aktuellen Apps und Trends zu erfahren.
Was sind soziale Medien?
Soziale Medien sind Online-Plattformen und Anwendungen, die es Benutzer:innen ermöglichen, Inhalte zu erstellen, zu teilen, zu kommentieren, zu bewerten und zu interagieren. Diese Plattformen fördern die Vernetzung und den Austausch von Informationen, Ideen, Meinungen und Medieninhalten zwischen Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen. Beispiele für soziale Medien sind WhatsApp, Facebook, Instagram, Snapchat und TikTok. Soziale Medien haben zweifellos die Art und Weise verändert, wie wir kommunizieren, Informationen teilen und uns mit anderen verbinden. Jedoch sollten wir auch die potenziellen Gefahren und Herausforderungen im Auge behalten, die mit der Nutzung sozialer Medien einhergehen können.
Welche Gefahren gehen von sozialen Medien aus?
Vorab ist es wichtig klarzustellen, dass es nicht die perfekte Lösung für die optimale Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen gibt. Jede Familie und jedes Kind ist unterschiedlich, der Bezug der Kinder zu Medien ebenfalls. Vor allem jüngere Kinder sollten zu Beginn der Mediennutzung damit nicht allein gelassen werden. Es ist empfehlenswert, gemeinsame Regeln zum Umgang mit Medien zu erstellen.
Trotz aller Schutzmaßnahmen ist es wichtig, ein offenes und vertrauensvolles Verhältnis zum Kind zu bewahren. Eltern sollten die Interessen ihres Kindes respektieren, über positive Medienerfahrungen sprechen und sich über die von ihm genutzten Angebote informieren.
Medienzeit
Kinder interessieren sich mit steigendem Alter immer mehr für Smartphones. Es fällt ihnen zu Beginn oft schwer einzuschätzen, wie viel Nutzungszeit empfehlenswert ist. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bezieht sich bei der zu empfehlenden Nutzungszeit auf die “3-6-9-12”-Regel:
- Keine Bildschirmmedien vor dem 3. Lebensjahr
- Keine eigene Spielekonsole vor dem 6. Geburtstag
- Kein Handy oder Smartphone unter 9 Jahren
- Keine unbeaufsichtigte Internetnutzung unter 12 Jahren
Apps
Es gibt eine Vielzahl von Apps für verschiedene Bedürfnisse, und Eltern tragen die Verantwortung dafür, welche Apps ihre Kinder nutzen. Nicht jede App ist für jedes Kind geeignet, und sogar die besten Apps können unerwünschte Werbung enthalten oder kostenpflichtige Updates anbieten. Eltern sollten ihre Kinder dabei unterstützen, eine sichere Online-Umgebung zu schaffen, indem sie ihre Geräte kindersicher einrichten und die Berechtigungen von Apps überprüfen.
Eine kindersichere Gestaltung kann über Einschränkungen erreicht werden, dabei werden bestimmte Apps, Funktionen oder Dienste gesperrt oder begrenzt. Diese Einschränkungen können mit steigendem Alter Schritt für Schritt aufgelöst werden. Es ist ratsam, Apps für Kinder selbst zu testen, um sicherzustellen, dass sie keine unangemessene Werbung enthalten und die Privatsphäre schützen. Weitere Tipps zur Auswahl sicherer Kinder-Apps finden sich in den empfohlenen Link-Tipps.
Tipps für Eltern
Um Smartphones möglichst kindersicher einzurichten, können Sie Sicherheitseinstellungen an den Smartphones selbst vornehmen:
- Bei iOS-Betriebssystemen: Einstellungen > Bildschirmzeit > Mein Gerät > Bildschirmzeit-Code verwenden > Beschränkungen, Auszeiten und App-Limits festlegen
- Bei Android-Betriebssystemen: Google Play Store-App öffnen > Menü öffnen > Einstellungen > Jugendschutzeinstellungen > Schiebeschalter einstellen und PIN erstellen
- Deaktivieren oder schränken Sie In-App-Käufe auf dem Smartphone der Kinder ein, um unbeabsichtigte Käufe zu vermeiden und Abo-Fallen zu umgehen:
- Bei iOS-Betriebssystemen: Einstellungen > Bildschirmzeit > Beschränkungen aktivieren > Käufe im iTunes & App-Store > Bei „In-App-Käufe“ „Nicht erlauben“ festlegen
- Bei Android-Betriebssystemen: Google Play Store-App öffnen > Menü öffnen > Einstellungen > Authentifizierung für Käufe erforderlich > Häkchen bei „Für alle Käufe bei Google Play auf diesem Gerät“
Nutzung sozialer Medien
Wenn Ihr Kind Interesse an der Nutzung von sozialen Netzwerken zeigt, ist es wichtig, die Beweggründe dafür zu hinterfragen. Gemeinsam können Sie die Vor- und Nachteile abwägen und entscheiden, ob Ihr Kind bereits reif genug für diese Art der Online-Kommunikation ist. Bitte berücksichtigen Sie dabei das Mindestalter, das von den sozialen Netzwerken vorgegeben wird, und orientieren Sie sich zudem am individuellen Entwicklungsstand Ihres Kindes.
Die Einstellung der Privatsphäre ist ein zentraler Bestandteil. Eltern können gemeinsam mit ihren Kindern die Privatsphäre-Einstellungen so konfigurieren, dass das Profil nur für ausgewählte Kontakte sichtbar ist. Dies ermöglicht es Eltern, mit ihren Kindern über den Umgang mit Anfragen von Fremden und potenzielle Gefahren im Internet zu sprechen.
Die Auswahl geeigneter Messenger-Dienste ist ebenfalls von Bedeutung. Es gibt Alternativen zu weit verbreiteten Plattformen, die möglicherweise bessere Datenschutzrichtlinien bieten. Gemeinsam mit den Kindern können Eltern nach solchen Alternativen suchen und somit das Bewusstsein für Datenschutz und kritischen Umgang mit Medien fördern. Weiterhin ist es wichtig, als Vorbild im Umgang mit personenbezogenen Daten zu agieren und die Privatsphäre anderer zu respektieren. Durch offene Kommunikation und Akzeptanz für die Interessen der Kinder können Eltern eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen und ihre Kinder dabei unterstützen, einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu erlernen.
Tipps für Eltern
Es ist ratsam, klare Regeln für die Internetnutzung aufzustellen und diese gemeinsam mit den Kindern zu vereinbaren. Ein Mediennutzungsvertrag kann dabei helfen, klare Richtlinien festzulegen und Kindern Orientierung zu geben.
Selbstdarstellung im Netz
Bis vor Kurzem dienten Prominente in Filmen und Zeitschriften als bedeutende Vorbilder, doch heute rücken junge Influencer:innen immer stärker ins Rampenlicht. Die Themen, denen sie sich widmen, sind vielfältig: von Mode und Lifestyle über Politik und Tierschutz bis hin zu Selbstakzeptanz. Durch die Darstellung ihres Alltags in sozialen Netzwerken erscheinen sie Jugendlichen greifbar, und die Möglichkeit, direkt ihre Beiträge zu kommentieren, macht sie leicht erreichbar. Allerdings kann hierdurch oft ein verzerrtes Bild der Realität entstehen. In der Pubertät suchen Jugendliche nach Vorbildern, um ihre Identität zu formen und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Dies ist ein natürlicher Teil der Entwicklung und ermöglicht es ihnen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und ihre Lebensziele zu definieren.
Um die Medienwelt Ihrer Kinder besser zu verstehen, zeigen Sie Interesse an den Profilen der relevanten Influencer:innen. Offene Gespräche über die genutzten Plattformen und deren Einfluss auf Ihr Kind sind wichtig ebenso wie das gemeinsame Ausprobieren dieser Plattformen. Achten Sie darauf, dass die Profileinstellungen auf „privat“ stehen und informieren Sie sich über die Richtlinien der Plattformen. Klären Sie Ihre Kinder darüber auf, dass Influencer:innen keine echten Freunde sind und diskutieren Sie Schönheitsideale sowie Werbepraktiken. Thematisieren Sie auch, dass Social Media-Inhalte oft ein verzerrtes Bild der Realität vermitteln, und fordern Sie Ihre Kinder dazu auf, kritisch mit diesen Inhalten umzugehen.
Umgang mit Cybermobbing
Bei Cybermobbing bzw. Cyberbullying wird die verbale oder non-verbale Gewalt in den virtuellen Raum verlagert. Im Gegensatz zum Mobbing im realen Raum gibt es hier keine zeitliche und räumliche Begrenzung. Cybermobbing wirkt sich rund um die Uhr und überall auf die Betroffenen aus. Die Formen von Cybermobbing sind vielfältig. Beachten Sie Veränderungen im Verhalten Ihres Kindes, die auf Cybermobbing hinweisen könnten, wie etwa plötzliche Scheu vor digitalen Geräten oder häufige körperliche Beschwerden. Im Falle von Cybermobbing ist es wichtig, mit Ihrem Kind über geeignete Maßnahmen zu sprechen und dabei eine direkte Konfrontation mit dem Täter oder dessen Familie vorerst zu vermeiden.
Informieren Sie relevante Institutionen wie die Schule und entwickeln Sie gemeinsam Strategien gegen das Mobbing. Nutzen Sie auch die Unterstützung von Beratungsstellen und zeigen Sie Ihrem Kind, dass Gegengewalt keine Lösung ist. Nutzen Sie die Funktionen sozialer Netzwerke, um den:die Mobber: in zu stoppen, und sichern Sie Beweise für eine etwaige rechtliche Verfolgung.
Prävention ist ebenso wichtig wie Intervention: Vermitteln Sie Werte wie Respekt und Achtung und ermutigen Sie Eltern, Lehrkräfte und Schüler:innen zur gemeinsamen Präventionsarbeit und zur Aufnahme entsprechender Maßnahmen in die Schulordnung. Denken Sie gemeinsam mit Ihren Kindern darüber nach, welche Informationen sie im Internet preisgeben, um Angriffspunkte für Cybermobbing zu minimieren.
Medienrechte für Kinder
Kinder sollten im Internet keine persönlichen Informationen preisgeben und darauf achten, keine Bilder in leichter Bekleidung zu teilen. Eltern sollten die Sicherheitseinstellungen der digitalen Plattformen regelmäßig überprüfen und auf „privat“ stellen. Das Posten von Bildern der Kinder in sozialen Netzwerken sollte nur mit ihrer Erlaubnis erfolgen, insbesondere keine Aufnahmen in Badebekleidung sollten öffentlich geteilt werden. Eltern könnten offen mit ihren Kindern über Cybergrooming sprechen und sie darauf hinweisen, keine Bilder an Fremde zu senden oder Treffen zu vereinbaren. Verbindliche Nutzungszeiten und ein Mediennutzungsvertrag können helfen, klare Regeln zu vereinbaren. Eltern haben die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Kindern auf deren Handy zu schauen, jedoch nicht heimlich. Die Kontrolle von In-App-Käufen und die Aufklärung über Jugendschutzgesetze sind ebenfalls wichtig.
Was ist Cybergrooming?
Mit Cybergrooming ist die sexuelle Annäherung von Erwachsenen an Kinder gemeint. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder wissen, wie mit Kontaktanfragen von Fremden umzugehen ist.
Digitale Auszeiten sind wichtig
Auch wenn das Internet uns ein gutes Entertainment bietet, sollten immer wieder digitale Auszeiten eingeplant werden. Diese können vielfältig zusammen mit dem Kind gestaltet werden. Zum Beispiel bietet sich ein Spaziergang, gemeinsames Malen oder andere Unternehmungen an. Wichtig ist dabei, dass die Mediennutzung in dieser Zeit ausbleibt. Es hilft Ihren Kindern dabei, die freie Zeit mit anderen Dingen zu füllen als der Mediennutzung. Ihrem Kind wird es leichter fallen, eigenständig auf Ideen zu kommen, die Freizeit ohne das Handy zu gestalten.
Was ist TikTok?
TikTok ist eine App, in der Benutzer:innen Videos aufnehmen, teilen und schauen können. Die App ist aktuell sehr beliebt und bei vielen Kindern und Jugendlichen in täglicher Benutzung.
Die Videos sind meistens sehr kurz und zeigen Inhalte wie Tanzbewegungen, Outfit-Inspirationen, Kochanleitungen und noch Zahlreiches mehr. Die App hat viele Tools, mit denen Videos bearbeitet werden können, wie Musik hinzufügen oder lustige Effekte verwenden.
Wie auch bei anderen Plattformen im sozialen Netz ziehen fesselnde Inhalte die Nutzer:innen in ihren Bann, so dass sie sich schwer vom Smartphone lösen können. Das Besondere an TikTok liegt darin, dass die Anzeige von Videos nicht primär auf den Accounts basiert, denen man folgt – im Gegensatz zu Plattformen wie Facebook oder Instagram. Stattdessen präsentiert TikTok Empfehlungen von anderen User:innen, die den persönlichen Interessen entsprechen könnten, auf der sogenannten „For you Page“ (FYP). Hier liegt die Herausforderung: Bevor man es bemerkt, hat man zahlreiche Clips angesehen und dabei völlig das Zeitgefühl verloren. Was mit wenigen Videos beginnt, kann schnell zu einer Vielzahl werden, und ehe man es sich versieht, sind zwei Stunden verstrichen.
Diese Flut an Videos führt dazu, dass Expert:innen nicht direkt von einer Sucht sprechen, sondern die Begriffe „Übernutzung“ oder „problematische Nutzung“ verwenden, die einem süchtigen Verhalten sehr ähnlich sind.
Gefahren von TikTok
- Der Algorithmus macht süchtig: 15- bis 60-sekündige Clips erzeugen Reize, die das Gehirn stimulieren. Das Gehirn nimmt die kurzen Videos als Belohnung wahr und stößt das Glückshormon Dopamin aus. Wie mit leckerem Essen, das besonders fettreich, zuckerhaltig oder salzig ist, wollen wir mehr. Auf diese Reaktion setzt TikTok mit sogenanntem „Sticky Content“, also kurzen spannenden Inhalten, die leicht zu verstehen sind.
- Einmal in der Bubble fällt es schwer, sich von Themen wie zum Beispiel Essstörungen zu lösen. Der Algorithmus sorgt dafür, dass einem immer mehr Videos zu einem bestimmten Video angezeigt werden, die einen interessieren oder betreffen. Es kann also sein, dass, wenn man beispielsweise zu einer Essstörung wie der Magersucht neigt, einem Videos angezeigt werden, die diese Thematik vertiefen. Dies kann sowohl aufklärend und hilfreich sein, jedoch auch dazu führen, dass man immer tiefer in die Bubble abrutscht und im Extremfall nur noch Videos über Kalorien und „Abnehmtipps“ sieht.
- Sozialer Druck sorgt für Bodyshaming – nicht nur bei Übergewicht und Untergewicht. Wie auch bei anderen sozialen Medien führt TikTok dazu, dass man sich mit anderen vergleicht. Dies kann den Selbstwert gefährden und den sozialen Druck verstärken.
- Sitzender Lebensstil: Längere Nutzungsdauer von sozialen Medien, einschließlich TikTok, kann zu einem sitzenden Lebensstil beitragen, der mit verschiedenen Gesundheitsproblemen verbunden ist.
- Schlafstörungen: Die Nutzung von TikTok, besonders vor dem Schlafengehen, kann den Schlaf stören, was sich negativ auf die physische Gesundheit auswirken kann.
- Informationsqualität: Nicht alle Gesundheitsinformationen auf TikTok sind von Expert:innen geprüft, was zu Fehlinformationen und potenziell schädlichen Praktiken führen kann.
Diese Beispiele zeigen die Gefahren von TikTok. Verbringt Ihr Kind viel Zeit mit der App, sollten Sie überlegen, ob dies eventuell reduziert oder komplett vermieden werden sollte. Falls es schwerfällt, TikTok sofort zu deinstallieren, gibt es hilfreiche Tipps für einen bewussteren Umgang mit der App:
- Bewusst auf eigene Stimmung achten: Gefällt dir das, was du dir gerade ansiehst, oder ist es die pure Langeweile, die dich scrollen lässt?
- App vorübergehend deinstallieren: Um beispielsweise seinen Konsum unter der Woche einzuschränken, ist es möglich, die App – das gilt natürlich für alle Arten von Social Media-Plattformen – einfach zu deinstallieren. Der Account und Inhalt gehen dabei nicht verloren. Doch der Weg, die App wieder zu installieren, ist deutlich aufwendiger, als wenn man sie auf dem Home-Bildschirm hat und nur auf den Button klicken muss.
- Wecker stellen, Nutzung einschränken: Ob man sich nun einen Wecker stellt, der einen „wachrüttelt“ und erinnert, dass man nun genug Zeit auf TikTok & Co. verbracht hat, oder einfach direkt das Nutzungsverhalten einschränkt, indem man eine Zeitvorgabe für die App-Nutzung einstellt, ist jeder Person selbst überlassen. Sinnvoll ist beides. Wichtig ist jedoch, dass man sich dann auch an seine Fokus-Zeiten hält und nicht der Versuchung verfällt, die App zu checken.
Was ist Instagram?
Instagram ist mit mehr als fünf Milliarden Nutzer:innen weltweit eine der beliebtesten Social Media-Plattformen. Diese wird von vielen Menschen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, täglich und intensiv genutzt. Offiziell ist die von Kevin Systrom und Mike Krieger in San Francisco 2010 gegründete Plattform ab dem Alter von 13 Jahren erlaubt. Auf Instagram können Benutzer:innen Fotos und Videos teilen sowie durch Beiträge anderer Nutzer:innen scrollen. Hierzu gehören Inhalte von Freund:innen, prominenten Menschen, aber auch von Unternehmen, welche die Plattform als Konsumanregung ihrer Produkte nutzen. Interaktionen werden durch Likes, Kommentare und Direktnachrichten gefördert. Ähnlich wie bei TikTok bieten die Inhalte auf Instagram eine Vielzahl von Themen, die von Mode und Lifestyle über Rezepte bis hin zu inspirierenden Bildern reichen. Einzigartig macht die Social Media-Plattform ihre visuelle Ästhetik. Nutzer:innen können ihre Beiträge mit Filtern, Musik und kreativen Effekten gestalten, um ihre Persönlichkeit und Interessen zum Ausdruck zu bringen. Diese verführerische Vielseitigkeit kann zu einer stundenlangen Nutzung der App
führen, so dass das eigene Zeitgefühl verloren geht.
Im Gegensatz zu TikTok basiert das Anzeigen der Videos primär auf den Accounts, welchen man folgt. Auch hier besteht eine sogenannte „For You Page“ (FYP), auf der ein Algorithmus für den:die User:in zugeschnittene Inhalte anzeigt. Hier besteht die Möglichkeit, neue Accounts zu entdecken. Im Jahr 2016 wurden Instagram-Stories eingeführt, wodurch der eigene Alltag als Momentaufnahme für 24 Stunden hochgeladen werden kann. Für Selfies werden gerne Filter und Effekte genutzt, was in den bereits genannten visuell ästhetischen Aspekt von Instagram einspielt. 2020 folgten Instagram-Reels, welche mit den Funktionen von TikTok vergleichbar sind und somit auch mit den Gefahren der besagten App.
Gefahren und Herausforderungen von Instagram
Weitere potenzielle Gefahren und Herausforderungen von Instagram zeigen sich in folgenden Aspekten:
- Vergleichsdruck und Selbstbild: Durch die Vielzahl perfekt inszenierter Fotos auf Instagram können sich Nutzer:innen schnell mit anderen vergleichen. Dies kann den Selbstwert beeinflussen und den Druck erhöhen, einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen zu wollen.
- Datenschutz und Privatsphäre: Die Offenheit von Instagram birgt Risiken für den Datenschutz. Essenziell ist, dass Nutzer:innen, insbesondere junge Menschen, ihre Privatsphäre-Einstellungen kennen und ihre persönlichen Informationen schützen. So wird beim Veröffentlichen einer Story mit einem markierten Standort häufig nicht bedacht, dass auch fremde Personen Einsicht in den aktuellen Aufenthalt haben und damit Informationen für – schlimmstenfalls – Stalking geboten wird.
- Zeitmanagement und übermäßige Nutzung: Der visuell ansprechende Inhalt auf Instagram kann einen in den Bann ziehen und zu übermäßiger Bildschirmzeit führen. Es ist wichtig, bewusst mit der Nutzung umzugehen und regelmäßige Pausen einzubauen.
- Authentizität vs. Inszenierung: Auf Instagram werden oft idealisierte Lebensstile präsentiert: scheinbar perfekte Beziehungen, „Super-Mütter“ mit einem durchstrukturierten Lebensalltag ohne Chaos, Freundschaften ohne Konflikte etc. Dies kann zu einem verzerrten Bild der Realität führen. Hierbei ist es wichtig, sich zu verdeutlichen, dass nicht alles, was auf Instagram gezeigt wird, der Realität entspricht.
Fazit: Instagram bietet viele kreative Möglichkeiten, sich auszudrücken und mit anderen zu interagieren. Dennoch ist es wichtig, die potenziellen Risiken im Blick zu behalten und einen ausgewogenen
Umgang mit der Plattform zu fördern.
Ab wann wird die Internet- und Mediennutzung als pathologisch betrachtet?
Die eigene intensive Internetnutzung wird von Außenstehenden oft scherzhaft als Sucht beschrieben, obwohl die Kriterien einer Internetsucht nicht erfüllt werden. Social Media, Smartphone, Internet und Co. sind ein großer Teil unseres Alltags, ohne dass dieses Verhalten als krankhaft gilt. Eine Sucht ist eine ernste Erkrankung, die durch die Fehlregulierung des Belohnungssystems im Gehirn entsteht, wobei sowohl psychische als auch biologische Faktoren eine Rolle spielen. Während Suchtmittel das Gefühl von Zufriedenheit auslösen, können Verhaltenssüchte wie Spielsucht oder Kaufsucht durch ähnliche Mechanismen entstehen.
Die Klassifikation und diagnostische Verortung wurden über viele Jahre hinweg sehr unterschiedlich gehandhabt. 2013 erfolgte mit der Veröffentlichung des DSM-5 eine erste Vereinheitlichung. Entsprechend wird dieses neue Störungsbild (Internet Gaming Disorder) im ICD-11 als ein dauerhaft anhaltendes oder periodisch wiederkehrendes Nutzungsverhalten von Online- oder Offline-Computerspielen definiert, das über den Zeitraum von zwölf Monaten
- nicht oder nur unzureichend der bewussten Kontrolle unterliegt,
- eine Priorisierung vor anderen Lebensbereichen, Alltagsaktivitäten und Interessen erfährt und
- wiederholt zu anhaltenden negativen Konsequenzen führt und dennoch fortgeführt wird.
Zusätzlich führt das Verhalten bei den Betroffenen zu einem ausgeprägten Leidensdruck. Die ICD-11 schränkt jedoch den Zeitrahmen auf zwölf Monate ein, wobei dieser verkürzt werden kann, wenn alle diagnostischen Kriterien erfüllt und die Symptome besonders schwerwiegend sind. Sich mit der eigenen Mediennutzung auseinanderzusetzen, fällt nicht immer leicht, vor allem Kindern und Jugendlichen, die noch nicht so geübt darin sind, ihre Gefühle und Gedanken zu reflektieren. Offene Gespräche können dabei helfen, das Medienverhalten zu verstehen und einen bewussteren Umgang zu entwickeln.
Wenn die Sorge besteht, dass das Medienverhalten zu einem Kontrollverlust, anhaltenden negativen Konsequenzen und einem Leidensdruck führt, dann gibt es verschiedene Wege damit umzugehen. Durch das Scannen des QR-Codes gelangt man zu einem Selbsttest, der eigens für Kinder und Jugendliche entwickelt wurde und verschiedene Dimensionen erfasst. Am Ende des Selbsttests erhält man eine Auswertung, die einem Informationen über das eigene Nutzungsprofil, das Testergebnis und Empfehlungen liefert. Zusätzlich sind am Ende der Seite Beratungsstellen wie auch weitere Internetseiten
aufgelistet.
Kostenloser Selbsttest
Checkliste für einen mediensicheren Umgang
Geräte der Kinder mediensicherer gestalten
Folgende Webseite erklärt, wie Sie die beschriebenen Tipps Schritt für Schritt anwenden können. Dabei können Sie zwischen den verschiedenen Betriebssystemen und den verschiedenen Plattformen auswählen. Folgen Sie den empfohlenen Tipps, um Handys sicherer zu machen:
Links, um sich weiter zu informieren
www.mediennutzungsvertrag.de
Hier können Sie zusammen mit Ihrem Kind gemeinsame Regeln zur Mediennutzung vereinbaren und festhalten.
www.klicksafe.de
Unter Klicksafe.de lässt sich eine Sammlung an Beiträgen zu Sicherheitsthemen finden. Gleichzeitig werden Broschüren zur Medienkompetenz zum Download oder zum Bestellen angeboten.
www.handysektor.de/startseite
Handysektor.de bietet vielseitige Informationen sowohl zu den Risiken als auch zur medienpädagogischen Nutzung von Smartphones und Tablets.
www.app-geprüft.net
Hier werden bei Kindern beliebte Apps geprüft und nach Werbung, In-App-Käufen sowie nach Daten- und Verbraucherschutz bewertet.
www.datenbank-apps-für-kinder.de
Dort bewertet das Deutsche Jugendinstitut (DJI) Apps von „sehr empfehlenswert“ bis „ungeeignet“. Zusätzlich lassen sich detaillierte Einschätzungen sowie Hinweise zu Kosten und Zeitaufwand aufrufen.
www.schau-hin.info
Informationsplattform für Eltern mit wertvollen Tipps zur Internetnutzung – auch auf Facebook, Instagram, Twitter und YouTube.
www.mpfs.de
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) veröffentlicht regelmäßig Studien zur Mediennutzung von Kindern (KIM-Studie) und Jugendlichen (JIM-Studie). Gerade letztere (JIM) bietet dabei detaillierte Einblicke in das Nutzungsverhalten der Heranwachsenden von unterschiedlichen Apps und Internetangeboten.
www.buendnis-gegen-cybermobbing.de
Die Initiative informiert über Cybermobbing und setzt sich dafür ein, Forschung zum Thema „Cyberlife und Gewalt im Netz“ auf deutscher und europäischer Ebene umzusetzen.
www.nummergegenkummer.de
Bei akuten Problemen und Sorgen hilft die telefonische Beratung der Nummer gegen Kummer weiter und verweist bei Bedarf an speziellere Beratungsstellen weiter. Die Nummer gegen Kummer: 116 111 (für Kinder und Jugendliche), 0800 111 0550 (für Eltern).
www.kinderrechte.digital
Diese Seite erklärt umfassend, worum es bei Kinderrechten geht und welche aktuellen Entwicklungen anstehen, zahlreiche Studien und Hintergrundinformationen inklusive.
www.internet-abc.de/kinder/lernen-schule/lernmodule/cybermobbing-kein-spass
Ein weiterer Link zu Cybermobbing, der sich mit dem witzigen Känguru Flitzi an Kinder direkt wendet: nützliches, verständliches und nachvollziehbares Lernmodul.
www.polizei-beratung.de
Auf diesen Seiten beschreibt die Polizei, wie Täter bei Cybergrooming in Fortnite vorgehen und was Eltern zum Schutz ihrer Kinder präventiv tun können.
Kliniken in Bochum: Unterstützung bei Internet- und Computerspielsucht
Medienambulanz der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im LWL-Universitätsklinikum Bochum der Ruhr-Universität Bochum
LWL-Universitätsklinikum Bochum der Ruhr-Universität Bochum
Dr. med. Jan Dieris-Hirche
Alexandrinenstraße 1-3
44791 Bochum
Telefon: 0234 5077-3135
E-Mail: jan.dieris-hirche@lwl.org
www.psychosomatik.lwl-uk-bochum.de/die-ambulanz/medienambulanz
Institutsambulanz – Spezialambulanz Problematisches Medienverhalten Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie am HELIOS St.-Josefs-Hospital Bochum-Linden
HELIOS St.-Josefs-Hospital Bochum-Linden
Dr. med. Andreas Richterich
Axstraße 35
44879 Bochum
Telefon: 0234 418-377
E-Mail: andreas.richterich@helios-kliniken.de
www.helios-kliniken.de/klinik/bochum-linden/fachabteilungen/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie.html
Bundesweite Suche nach Beratungsstellen und Kliniken
Fachverband Medienabhängigkeit e.V.
c/o Caritasberatungsstelle “Lost in Space”
Wartenburgstraße 8
10963 Berlin
info@fv-medienabhaengigkeit.de