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Ab wann wird die Internet- und Mediennutzung als pathologisch betrachtet?

Die eigene intensive Internetnutzung wird von Außenstehenden oft scherzhaft als Sucht beschrieben, obwohl die Kriterien einer Internetsucht nicht erfüllt werden. Social Media, Smartphone, Internet und Co. sind ein großer Teil unseres Alltags, ohne dass dieses Verhalten als krankhaft gilt. Eine Sucht ist eine ernste Erkrankung, die durch die Fehlregulierung des Belohnungssystems im Gehirn entsteht, wobei sowohl psychische als auch biologische Faktoren eine Rolle spielen. Während Suchtmittel das Gefühl von Zufriedenheit auslösen, können Verhaltenssüchte wie Spielsucht oder Kaufsucht durch ähnliche Mechanismen entstehen.

Die Klassifikation und diagnostische Verortung wurden über viele Jahre hinweg sehr unterschiedlich gehandhabt. 2013 erfolgte mit der Veröffentlichung des DSM-5 eine erste Vereinheitlichung. Entsprechend wird dieses neue Störungsbild (Internet Gaming Disorder) im ICD-11 als ein dauerhaft anhaltendes oder periodisch wiederkehrendes Nutzungsverhalten von Online- oder Offline-Computerspielen definiert, das über den Zeitraum von zwölf Monaten

  • nicht oder nur unzureichend der bewussten Kontrolle unterliegt,
  • eine Priorisierung vor anderen Lebensbereichen, Alltagsaktivitäten und Interessen erfährt und 
  • wiederholt zu anhaltenden negativen Konsequenzen führt und dennoch fortgeführt wird. 

Zusätzlich führt das Verhalten bei den Betroffenen zu einem ausgeprägten Leidensdruck. Die ICD-11 schränkt jedoch den Zeitrahmen auf zwölf Monate ein, wobei dieser verkürzt werden kann, wenn alle diagnostischen Kriterien erfüllt und die Symptome besonders schwerwiegend sind. Sich mit der eigenen Mediennutzung auseinanderzusetzen, fällt nicht immer leicht, vor allem Kindern und Jugendlichen, die noch nicht so geübt darin sind, ihre Gefühle und Gedanken zu reflektieren. Offene Gespräche können dabei helfen, das Medienverhalten zu verstehen und einen bewussteren Umgang zu entwickeln.
Wenn die Sorge besteht, dass das Medienverhalten zu einem Kontrollverlust, anhaltenden negativen Konsequenzen und einem Leidensdruck führt, dann gibt es verschiedene Wege damit umzugehen. Durch das Scannen des QR-Codes gelangt man zu einem Selbsttest, der eigens für Kinder und Jugendliche entwickelt wurde und verschiedene Dimensionen erfasst. Am Ende des Selbsttests erhält man eine Auswertung, die einem Informationen über das eigene Nutzungsprofil, das Testergebnis und Empfehlungen liefert. Zusätzlich sind am Ende der Seite Beratungsstellen wie auch weitere Internetseiten
aufgelistet.