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Welche Gefahren gehen von sozialen Medien aus?

Vorab ist es wichtig klarzustellen, dass es nicht die perfekte Lösung für die optimale Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen gibt. Jede Familie und jedes Kind ist unterschiedlich, der Bezug der Kinder zu Medien ebenfalls. Vor allem jüngere Kinder sollten zu Beginn der Mediennutzung damit nicht allein gelassen werden. Es ist empfehlenswert, gemeinsame Regeln zum Umgang mit Medien zu erstellen.

Trotz aller Schutzmaßnahmen ist es wichtig, ein offenes und vertrauensvolles Verhältnis zum Kind zu bewahren. Eltern sollten die Interessen ihres Kindes respektieren, über positive Medienerfahrungen sprechen und sich über die von ihm genutzten Angebote informieren.

Medienzeit

Stoppuhr

Kinder interessieren sich mit steigendem Alter immer mehr für Smartphones. Es fällt ihnen zu Beginn oft schwer einzuschätzen, wie viel Nutzungszeit empfehlenswert ist. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bezieht sich bei der zu empfehlenden Nutzungszeit auf die “3-6-9-12”-Regel: 

  • Keine Bildschirmmedien vor dem 3. Lebensjahr
  • Keine eigene Spielekonsole vor dem 6. Geburtstag
  • Kein Handy oder Smartphone unter 9 Jahren
  • Keine unbeaufsichtigte Internetnutzung unter 12 Jahren

Apps

Es gibt eine Vielzahl von Apps für verschiedene Bedürfnisse, und Eltern tragen die Verantwortung dafür, welche Apps ihre Kinder nutzen. Nicht jede App ist für jedes Kind geeignet, und sogar die besten Apps können unerwünschte Werbung enthalten oder kostenpflichtige Updates anbieten. Eltern sollten ihre Kinder dabei unterstützen, eine sichere Online-Umgebung zu schaffen, indem sie ihre Geräte kindersicher einrichten und die Berechtigungen von Apps überprüfen.

Eine kindersichere Gestaltung kann über Einschränkungen erreicht werden, dabei werden bestimmte Apps, Funktionen oder Dienste gesperrt oder begrenzt. Diese Einschränkungen können mit steigendem Alter Schritt für Schritt aufgelöst werden. Es ist ratsam, Apps für Kinder selbst zu testen, um sicherzustellen, dass sie keine unangemessene Werbung enthalten und die Privatsphäre schützen. Weitere Tipps zur Auswahl sicherer Kinder-Apps finden sich in den empfohlenen Link-Tipps.

Tipps für Eltern

Um Smartphones möglichst kindersicher einzurichten, können Sie Sicherheitseinstellungen an den Smartphones selbst vornehmen:

  • Bei iOS-Betriebssystemen: Einstellungen > Bildschirmzeit > Mein Gerät > Bildschirmzeit-Code verwenden > Beschränkungen, Auszeiten und App-Limits festlegen
  • Bei Android-Betriebssystemen: Google Play Store-App öffnen > Menü öffnen > Einstellungen > Jugendschutzeinstellungen > Schiebeschalter einstellen und PIN erstellen 
  • Deaktivieren oder schränken Sie In-App-Käufe auf dem Smartphone der Kinder ein, um unbeabsichtigte Käufe zu vermeiden und Abo-Fallen zu umgehen: 
    • Bei iOS-Betriebssystemen: Einstellungen > Bildschirmzeit > Beschränkungen aktivieren > Käufe im iTunes & App-Store > Bei „In-App-Käufe“ „Nicht erlauben“ festlegen 
    • Bei Android-Betriebssystemen: Google Play Store-App öffnen > Menü öffnen > Einstellungen > Authentifizierung für Käufe erforderlich > Häkchen bei „Für alle Käufe bei Google Play auf diesem Gerät“

Nutzung sozialer Medien

Wenn Ihr Kind Interesse an der Nutzung von sozialen Netzwerken zeigt, ist es wichtig, die Beweggründe dafür zu hinterfragen. Gemeinsam können Sie die Vor- und Nachteile abwägen und entscheiden, ob Ihr Kind bereits reif genug für diese Art der Online-Kommunikation ist. Bitte berücksichtigen Sie dabei das Mindestalter, das von den sozialen Netzwerken vorgegeben wird, und orientieren Sie sich zudem am individuellen Entwicklungsstand Ihres Kindes.

Die Einstellung der Privatsphäre ist ein zentraler Bestandteil. Eltern können gemeinsam mit ihren Kindern die Privatsphäre-Einstellungen so konfigurieren, dass das Profil nur für ausgewählte Kontakte sichtbar ist. Dies ermöglicht es Eltern, mit ihren Kindern über den Umgang mit Anfragen von Fremden und potenzielle Gefahren im Internet zu sprechen.

Die Auswahl geeigneter Messenger-Dienste ist ebenfalls von Bedeutung. Es gibt Alternativen zu weit verbreiteten Plattformen, die möglicherweise bessere Datenschutzrichtlinien bieten. Gemeinsam mit den Kindern können Eltern nach solchen Alternativen suchen und somit das Bewusstsein für Datenschutz und kritischen Umgang mit Medien fördern. Weiterhin ist es wichtig, als Vorbild im Umgang mit personenbezogenen Daten zu agieren und die Privatsphäre anderer zu respektieren. Durch offene Kommunikation und Akzeptanz für die Interessen der Kinder können Eltern eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen und ihre Kinder dabei unterstützen, einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu erlernen.

Tipps für Eltern

Es ist ratsam, klare Regeln für die Internetnutzung aufzustellen und diese gemeinsam mit den Kindern zu vereinbaren. Ein Mediennutzungsvertrag kann dabei helfen, klare Richtlinien festzulegen und Kindern Orientierung zu geben. 

https://www.mediennutzungsvertrag.de

Selbstdarstellung im Netz

Bis vor Kurzem dienten Prominente in Filmen und Zeitschriften als bedeutende Vorbilder, doch heute rücken junge Influencer:innen immer stärker ins Rampenlicht. Die Themen, denen sie sich widmen, sind vielfältig: von Mode und Lifestyle über Politik und Tierschutz bis hin zu Selbstakzeptanz. Durch die Darstellung ihres Alltags in sozialen Netzwerken erscheinen sie Jugendlichen greifbar, und die Möglichkeit, direkt ihre Beiträge zu kommentieren, macht sie leicht erreichbar. Allerdings kann hierdurch oft ein verzerrtes Bild der Realität entstehen. In der Pubertät suchen Jugendliche nach Vorbildern, um ihre Identität zu formen und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Dies ist ein natürlicher Teil der Entwicklung und ermöglicht es ihnen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und ihre Lebensziele zu definieren.

Um die Medienwelt Ihrer Kinder besser zu verstehen, zeigen Sie Interesse an den Profilen der relevanten Influencer:innen. Offene Gespräche über die genutzten Plattformen und deren Einfluss auf Ihr Kind sind wichtig ebenso wie das gemeinsame Ausprobieren dieser Plattformen. Achten Sie darauf, dass die Profileinstellungen auf „privat“ stehen und informieren Sie sich über die Richtlinien der Plattformen. Klären Sie Ihre Kinder darüber auf, dass Influencer:innen keine echten Freunde sind und diskutieren Sie Schönheitsideale sowie Werbepraktiken. Thematisieren Sie auch, dass Social Media-Inhalte oft ein verzerrtes Bild der Realität vermitteln, und fordern Sie Ihre Kinder dazu auf, kritisch mit diesen Inhalten umzugehen.

Umgang mit Cybermobbing

Bei Cybermobbing bzw. Cyberbullying wird die verbale oder non-verbale Gewalt in den virtuellen Raum verlagert. Im Gegensatz zum Mobbing im realen Raum gibt es hier keine zeitliche und räumliche Begrenzung. Cybermobbing wirkt sich rund um die Uhr und überall auf die Betroffenen aus. Die Formen von Cybermobbing sind vielfältig. Beachten Sie Veränderungen im Verhalten Ihres Kindes, die auf Cybermobbing hinweisen könnten, wie etwa plötzliche Scheu vor digitalen Geräten oder häufige körperliche Beschwerden. Im Falle von Cybermobbing ist es wichtig, mit Ihrem Kind über geeignete Maßnahmen zu sprechen und dabei eine direkte Konfrontation mit dem Täter oder dessen Familie vorerst zu vermeiden.

Mensch mit Handy in der Hand

Informieren Sie relevante Institutionen wie die Schule und entwickeln Sie gemeinsam Strategien gegen das Mobbing. Nutzen Sie auch die Unterstützung von Beratungsstellen und zeigen Sie Ihrem Kind, dass Gegengewalt keine Lösung ist.  Nutzen Sie die Funktionen sozialer Netzwerke, um den:die Mobber: in zu stoppen, und sichern Sie Beweise für eine etwaige rechtliche Verfolgung.
Prävention ist ebenso wichtig wie Intervention: Vermitteln Sie Werte wie Respekt und Achtung und ermutigen Sie Eltern, Lehrkräfte und Schüler:innen zur gemeinsamen Präventionsarbeit und zur  Aufnahme entsprechender Maßnahmen in die Schulordnung. Denken Sie gemeinsam mit Ihren Kindern darüber nach, welche Informationen sie im Internet preisgeben, um Angriffspunkte für Cybermobbing zu minimieren.

Medienrechte für Kinder

Kinder sollten im Internet keine persönlichen Informationen preisgeben und darauf achten, keine Bilder in leichter Bekleidung zu teilen. Eltern sollten die Sicherheitseinstellungen der digitalen Plattformen regelmäßig überprüfen und auf „privat“ stellen. Das Posten von Bildern der Kinder in sozialen Netzwerken sollte nur mit ihrer Erlaubnis erfolgen, insbesondere keine Aufnahmen in Badebekleidung sollten öffentlich geteilt werden. Eltern könnten offen mit ihren Kindern über Cybergrooming sprechen und sie darauf hinweisen, keine Bilder an Fremde zu senden oder Treffen zu vereinbaren. Verbindliche Nutzungszeiten und ein Mediennutzungsvertrag können helfen, klare Regeln zu vereinbaren. Eltern haben die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Kindern auf deren Handy zu schauen, jedoch nicht  heimlich. Die Kontrolle von In-App-Käufen und die Aufklärung über Jugendschutzgesetze sind ebenfalls wichtig.

Was ist Cybergrooming?

Mit Cybergrooming ist die sexuelle Annäherung von Erwachsenen an Kinder gemeint. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder wissen, wie mit Kontaktanfragen von Fremden umzugehen ist.

Digitale Auszeiten sind wichtig

Auch wenn das Internet uns ein gutes Entertainment bietet, sollten immer wieder digitale Auszeiten eingeplant werden. Diese können vielfältig zusammen mit dem Kind gestaltet werden. Zum Beispiel bietet sich ein Spaziergang, gemeinsames Malen oder andere Unternehmungen an. Wichtig ist dabei, dass die Mediennutzung in dieser Zeit ausbleibt. Es hilft Ihren Kindern dabei, die freie Zeit mit anderen Dingen zu füllen als der Mediennutzung. Ihrem Kind wird es leichter fallen, eigenständig auf Ideen zu kommen, die Freizeit ohne das Handy zu gestalten.